Prolog


Viel zu leicht befolgt man Fritz Eckengas Aufforderung. Doch wenigstens ein paar Gedanken um "Draußen" müssen wir uns doch machen denn alles was passiert, hat Ursachen. In diesem Weblog versuche ich u.a., glaubwürdig erscheinende Informationen mit plausiblen Antworten auf Fragen der Zeit für den Austausch mit ähnlich Denkenden zusammenzutragen, auch wenn Christian Morgenstern einst schrieb: "Die zur Wahrheit wandern, wandern allein."
Tipps und Meinungen können gerne als Kommentare hinterlassen werden.
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Donnerstag, 14. April 2016

"Was im Nahen Osten geschieht, wird auch in Europa passieren"

"Isa Gürbüz, das syrisch-orthodoxe Kirchenoberhaupt in der Schweiz, ruft Christen zur Wachsamkeit auf...

In 20, 30 Jahren wird es in Europa eine muslimische Mehrheit geben. Die Hälfte der europäischen Frauen wird dann einen Hijab tragen... Weil der Islam letztlich keine Demokratie akzeptiert, sondern die Scharia durchsetzen will... Anfänge der verhängnisvollen Missionierung Europas sieht er in den vom wahabitischen Saudiarabien und vom türkischen Religionsministerium Diyanet eingerichteten Moscheen hierzulande...

Der Bischof ist von der Verfolgung im Mittleren Osten so traumatisiert, dass es ihm ein dringendes Anliegen ist, zur Wachsamkeit aufzurufen, speziell die auf politische Korrektheit bedachten Kirchen. Es sei naiv zu glauben, dass sich die Millionen von Flüchtlingen, die jetzt über die Türkei nach Europa kämen, alle anpassen und mit den Christen in Europa in Frieden zusammenleben ­würden. Auch unter den Flüchtlingen gebe es Terroristen. «Warum nehmen die Golfstaaten, die Emirate und Katar keine Flüchtlinge auf?» Weil es ihre Agenda sei, Europa zum Islam zu ­konvertieren... Es sei eine traumatische Erfahrung, wenn Nachbarn, mit denen man einst friedlich zusammengelebt habe, plötzlich über einen herfielen"

Quelle der Auszüge: tagesanzeiger.ch

"Immer ist die Rede von Religionsfreiheit. Ich befürworte das ja auch. Ich fänd' das auch viel schöner, wenn wir alle religionsfrei wären."
Volker Pispers

Mittwoch, 9. März 2016

Einwanderungsthematik - unsere Zukunft

  "Wir alle sollten uns um die Zukunft sorgen, denn wir werden den Rest unseres Lebens dort verbringen." Charles F. Kettering  

 

Neben Chefideologe Zbigniew Brzeziński entwickelt Thomas Barnett, US-Militärstratege, Berater im Pentagon und im Weißes Haus, seit Jahren Strategien und Konzepte für die zukünftige und alleinige Großmacht USA. Nicht irgendein Spinner also, sondern eine Kapazität in Sachen Kriegsführung und Unterwerfung. Analog zu den USA soll sich Europa öffnen und zu einem „Einwanderungsland“ werden. Etwaige Gegenströmungen (Politiker, die gegen Einwanderung sind oder Bürger [Pegida], die sich für eine kontrollierte Zuwanderung aussprechen) müssen nach den Aussagen Barnetts „zum Schweigen gebracht werden“.
"Gleichschaltung der Länder durch Flüchtlingsströme. Das Endziel ist die Gleichschaltung aller Länder der Erde, sie soll durch die Vermischung der Rassen herbeigeführt werden, ... Hierfür sollen in Europa jährlich 1,5 Millionen Einwanderer aus der dritten Welt aufgenommen werden. Das Ergebnis ist eine Bevölkerung mit einem durchschnittlichen IQ von 90, intelligent genug zum Arbeiten, einfältig genug, um keinen Widerstand zu leisten".
Barnett schreibt, dass es nötig sein kann einen neuen 11. September zu inszenieren, um alle Gegner der Globalisierung zu vernichten und dadurch eine weitere, tiefere Vernetzung aller Länder zu erreichen.(Quelle: konjunktion.info)


"Ich hör immer Obergrenze. Und dann? Ein Zaun? Denken Sie, 1 Million Verzweifelte werden sagen: "Oh, ein Zaun. Ach, da drehen wir wieder um"?" Volker Pispers


Das Philosophische Quartett im ZDF 2006 zum Thema "Demographie als Schicksal": Statistisch, historisch faktisch fundiert, wurden hier von intellektuellen Autoritäten Gunnar Heinsohns Thesen besprochen, was Europa erwartet und warum. Und das noch lange vor der Flüchtlingskrise. Und es musste dem Zuschauer mehr als hypothetisch vorkommen. Ein Angst machender Diskurs vierer Weisen (Peter Sloterdijk, Gunnar Heinsohn, Roger Willemsen, Rüdiger Safransky) einschließlich klarer unwidersprochener Empfehlung Heinsohns, bis 2030 nach Kanada ausgewandert zu sein. (betretene, gedämpfte Stimmung beim Publikum) Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6 von 6 (jeweils 10min), siehe auch Heinsohn bei Spiegel-TV. Auch wenn Heinsohn, ein streitbarer Soziologe, sich irren kann, ist meine Sorge nach dem Lesen des Buches nicht mehr kleinzukriegen. Ja, es ist so, wie Giovannino Guareschi sagte: „Die Philosophen sind wie Zahnärzte, die Löcher aufbohren, ohne sie füllen zu können.“


Buchtipps:
Söhne und Weltmacht, Gunnar Heinsohn 2003 schnell gelesene 161 Sachbuchseiten, ich empfehle es jedem, um bedeutende demographische Zusammenhänge zu verstehen, ja sogar um ein gewisses Verständnis für US-Strategien zu entwickeln wenngleich deren wahre Intention fraglich bleibt, die internationale Linke nennt Heinsohn "NATOs demographer"

Die einzige Weltmacht, Zbigniew Brzezinski (die Gründe gegenwärtiger Kriege werden klar,
»Ein Buch, das man lesen und ernst nehmen sollte.« Helmut Schmidt)

Deutschland ist bedroht - Warum wir unsere Werte jetzt verteidigen müssen, Düzen Tekkal, 2016
Düzen Tekkal ist eine deutsche Fernsehjournalistin, Autorin, Redakteurin und Kriegsberichterstatterin. Sie ist Jesidin und kurdischer Abstammung.

Der islamische Faschismus, Hamed Abdel-Samad, 2014
Ein wichtiges Buch, dessen Thesen Hamed Abdel-Samad eine Todes-Fatwa einbrachten. Allein das entlarvt den Islamismus.

dazu passend auf youtube: Die neue Völkerwanderung - Rede Thilo Sarrazins vor FPÖ-Auditorium (53min)

PHOENIX - Runde: "...was wird aus Europa?" Fragen und Statements einer polnischen Journalistin

PHOENIX - Runde: "Das Ende Europas?"
Man nehme sich auch Zeit für die youtube-Kommentare.

Aber das langfristig größte Problem der Welt bleibt das Umweltproblem (siehe min 12) in der wirklich(!) guten ZDF - Talkrunde von Lanz, ab Minute 33 übt eine junge Muslima Kritik am islamistischen Gebaren moslemischer Frauen. Ob die wohl noch lebt?

Montag, 7. März 2016

Weltkrieg ante Portas?

Der gesunde Menschenverstand ist blind sowohl für das äußerst Böse wie für das höchst Gute.“ Karl Jaspers

 

 "...eine geopolitische Strategie der USA. Das hat nichts mit Verschwörungstheorien zu tun, sondern ist eine sehr gewiefte Art der imperialistischen Machterhaltung und Machtausweitung. Einfach bei youtube nach "george friedman chicago council" suchen. Bestechend klar und ehrlich dieser Mann. Aber keiner hier will es sehen oder hören, weil es die deutsche Gemütlichkeit stören könnte. Ich gebe zu, es ist wirklich nicht gerade beruhigend." Zitat eines Kommentars auf Spiegel-online von Acasound

Man nehme sich die Warnungen zweier US-Präsidenten vor der Gefahr, die vom militärisch industriellen Komplex der USA ausgeht, zu Herzen! Sie hatten Recht.
Und die Rache an den Kennedys war furchtbar. (spannende Doku)

Mir kommen Bilder aus dem nahen und mittleren Osten aus den 70er/80er Jahren in den Kopf, als wütende Menschen (v.a. Perser, Araber) amerikanische Flaggen verbrannten, US-Botschaften stürmten und "Satan Amerika" skandierten. Natürlich wurden sie durch Aiatollahs und Hassprediger radikalisiert. Doch retrospektiv betrachtet: zu Recht! Auch Afghanistan hatte Hoffnungsträger... , auch Chile, Bolivien, Panama und viele andere

Wichtige Handlanger der großen Interessen hinter den Bühnen waren und sind "Economic Hitmen", hier eine Doku auf dem ORF (unbedingt spätestens ab Minute 19 ansehen!). Auch heute sind ganz sicher solche Typen als eine Art Führungsoffiziere für Politiker (bspw. evtl. Siegmar Gabriel mit TTIP) und Despoten unterwegs, das muss man wissen!

"Herr Frey, machen Sie hier Cabarett oder meinen Sie das ernst?" Dirk Müller bei PRO & CONTRA auf Puls 4 (österreichisches SAT1) auf die Aussage eines offensichtlichen US-Propagandisten, dass die USA keinerlei Interessen in der Ukraine verfolgen. Zitat Müller: "Wir werden von den USA in den dritten Weltkrieg getrieben"

Eindrucksvolle Pressekonferenz des STRATFOR Instituts, welches  US-Strategien entwirft, mit unverholenen Aussagen über das Hauptziel von US-Außenpolitik, um jeden Preis Keile zwischen Russland und Deutschland zu treiben. Auch um den Preis von Krieg in Europa. (knapp 12min)
 „Bedient man sich einer Terminologie, die an das brutalere Zeitalter der alten Weltreiche gemahnt, so lauten die drei großen Imperative imperialer Geostrategie: Absprachen zwischen den Vasallen zu verhindern und ihre Abhängigkeit in Fragen der Sicherheit zu bewahren, die tributpflichtigen Staaten fügsam zu halten und zu schützen und dafür zu sorgen, dass die ‚Barbaren‘völker sich nicht zusammenschließen.( Brzeziński, Zbigniew,  The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives, 1997) 

Unruhen und Bürgerkriege in Europa, speziell Deutschland sind ein Ziel, Prof. Patzelt nennt es regulative Katastrophen

unbedingt die 9 Minuten dem in Rage redenden ehem. US-Marine und Golfkriegsveteran Kenneth O'Keefe zuhören! Auf PRESS TV (iranisches Auslands-TV), über die bezahlten Marionetten der großen, Weltpolitik machenden Psychopathen, Zitat: "die vereinigten Staaten interessieren sich NIE für etwas anderes als Krieg...."
Wachsamkeit ist geboten, jene zu erkennen, die da Meinungen machen nach dem Credo wess' Brot ich ess, dess Lied ich sing

dazu passend ZDF ANSTALT, Erwin Pelzig über Goldman Sachs, deren internationale Abteilungen und Personalstruktur

sowie die mit Klagen bedrohte Satire-Sendung im ZDF-Programm:  Neues aus der Anstalt vom 29. April 2014, in der ab Minute 37 die Verstrickungen deutscher Marionetten-Medien mit amerikanischen "Vordenkern" bloßgestellt wurden. RESPEKT!!! Wenigstens diese Anstalts-Folge sollte jeder Deutsche gesehen haben, einschließlich Konstantin Weckers "Pathos" am Schluss, sehr ergreifend!

ebenfalls unglaublich gut war die Aufklärung über die US-Außenpolitik im ZDF bei DIE ANSTALT vom 23. September 2014 ab Minute 26:50, verständlich für nahezu jedermann
 
Großartiges Interview von Euro-News mit Noam Chomsky! Zitat:"die USA werden weltweit als die größte Bedrohung des Weltfriedens angesehen...die USA sind ein Schurkenstaat"

Des Pudels Kern: "Die globale Systemkrise und der Kampf um eine postkapitalistische Welt", Gründe und Lösungswege zeigt Immanuel Wallerstein auf 

Willy Wimmer, ehem. Staatsekretär im deutschen Verteidigungsministerium unter Kohl im Sputnik-Interview: Europa wird von den USA zerstört.
Denn die USA wollen eigentlich Russland unterwerfen und ausplündern

100 Jahre US-Europapolitik mit unglaublichen Verflechtungen legt Dr. Werner Rügemer in den von den Nachdenkseiten initiierten Pleisweiler Gesprächen dar und wenn auch sehr anstrengend anzuhören so doch höchst interessant und wichtig für das Gesamtverständnis des Weltproblems USA.

Zitat: "Ja zusammenfassend heißt das: mit dieser Supermacht ...finden wir auf der Erde keinen Frieden und keine Sicherheit... und ... auch keine Gerechtigkeit in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht..."

Und obwohl etwas beklemmend, ist es höchst aufschlussreich Dirk Müllers präzisen Aussagen über die langfristig durchaus positiv zu betrachtenden, "dramatischen Verwerfungen" des Weltwirtschaftssystems zuzuhören (14min)

und auch Georg Schramm findet wieder klasse Worte und Zitate: (15min)
Zitat: "Es ist der Krieg von Reich gegen Arm. Und Reich gewinnt ihn gerade."

schöner Kommentar zu Reinhard Meys Lied:

"America? Jeaah, let us kill some one, and then we ask " Uppss, we are using some weopons?" uppss, some got killed?: Upps, I am so sorrry, Uppps, the reporters got killed, upps, someone had a gun.. Upps, 23000 people get shot , upps aaaa person had a gun..............americans are ??????? not normal"

Montag, 14. Dezember 2015

DAS Buschkowsky-Interview (falls es auf DLF dereinst gelöscht wird)

DLF, Sonntag, 29.3.15, Interview der Woche mit Heinz Buschkowsky

Heinz Buschkowsky "Unsere Lebensregeln gelten für alle"


Der scheidende Bürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), kritisierte im Deutschlandfunk das Bundesverfassungsgericht, das ein pauschales Kopftuchverbot für Lehrerinnen untersagt hatte. Die Richter hätten keine Ahnung, wie es in vielen Stadtvierteln zugehe. Sie stützen die falsche Botschaft: Die Frau habe zu gehorchen, sie sei das Eigentum ihres Mannes.
Heinz Buschkowsky im Gespräch mit Christoph Heinemann

Christoph Heinemann: Herr Buschkowsky, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie in dieser Woche die Nachricht vom Absturz der Germanwings-Maschine hörten und auch die, über die mutmaßliche Ursache?

Heinz Buschkowsky: Ich glaube, im ersten Moment geht vielen Menschen überhaupt nichts durch den Kopf - mir auch nicht. Es entsteht eine gewisse Leere und man fragt sich: 'Hast du das eben richtig verstanden?' Dann kommen die ersten schrecklichen Details: Eine Schulklasse ist an Bord gewesen, es wird mit Sicherheit überhaupt keine Überlebenden geben. Und später: Die Maschine ist quasi atomisiert worden, es wird schwer werden, überhaupt irgendwas zu identifizieren. Das sind so Dinge, die man sich ja nicht vorstellen kann. Ich glaube, das ist auch gut so - man will sie sich auch nicht vorstellen. Wenn man dann die Bilder sieht aus der Schule, wenn man dann die Bilder sieht der Angehörigen und dann heute zur Kenntnis nehmen muss, dass alle Anzeichen dafür sprechen, dass es sich um einen gezielten Suizid handelt, bei dem man huckepack nochmal 149 Menschen mit in den Tod reißt, dann bleibt eigentlich nur eine einzige Frage: Was war das denn? Und kann eigentlich das Denken eines Menschen sich so pervertieren, dass es ihm egal ist, dass er junge Menschen, die am Beginn ihres Lebens stehen, einfach in den Tod reißt. Also da muss eine solche Kurzschlusshandlung vorgefallen sein, die einem normalen Menschen völlig verschlossen ist. Also dieses minutenlange Schweigen, obwohl ja ihm klar war, was passiert, deutet darauf hin, dass der Mensch sich völlig aus der Realität verabschiedet hatte.

Heinemann: Der Bundespräsident hat seinen Staatsbesuch in Südamerika abgebrochen. Kann die Politik Trost spenden?

Buschkowsky: Nein, das kann sie nicht. Die Politik kann nur an der Seite stehen und kann nur durch Symbole deutlich machen, dass etwas im Land passiert ist, was unser aller Aufmerksamkeit und unser aller Anteilnahme bedarf. Deswegen ist das richtig, dass er den Besuch in Südamerika abgebrochen hat. Deswegen ist es richtig, dass die Mitglieder des Bundeskabinetts an den Unglücksort gereist sind. Natürlich können sie das Geschehen nicht mit dem Zeitraffer zurückdrehen. Aber es sind Symbole, die gesendet werden an die Hinterbliebenen, die im Moment sich in einem mentalen Vakuum befinden, die da lauten: 'Ihr seid nicht allein! Wir können euch beistehen, wir können an eurer Seite stehen. Aber wir können euch nicht wieder das Dunkel erhellen, wir können euch die Angehörigen nicht wieder lebendig machen und euch zurückgeben.'

Heinemann: Mussten Sie in Ihrer langen Amtszeit solchen Beistand leisten?

Wehmut beim Abschied aus dem Amt

Buschkowsky: In einer solchen Dramatik und Tragweite, nein. Ich kann nicht sagen, dass ich das bedaure, weil ich glaube, dass das auch für diejenigen, die anderen Menschen dann Trost zusprechen, sie im Arm haben, das die auch hinterher wieder sich justieren müssen, um da raus zu kommen.

Heinemann: Herr Buschkowsky, in der kommenden Woche, werden Sie Ihren Schreibtisch hier im Bezirksamt Berlin-Neukölln räumen - freiwillig räumen -, nach 14 Jahren als Bezirksbürgermeister insgesamt hier in Berlin-Neukölln. In welcher Stimmung scheiden Sie aus dem Amt?

Buschkowsky: Ja, es waren ja halt nicht nur diese 14 Jahren. Die letzten 26 Jahre habe ich hier in Neukölln hauptamtlich Politik gemacht. Ich habe die Finanzen gehütet. Ich war der Jugenddezernent. Davor war ich Fraktionsvorsitzender der SPD. Die letzten 36 Jahre meines Lebens waren ein Fulltime-Job für dieses Neukölln, das meine Heimat ist. Ich bin hier geboren, ich bin hier aufgewachsen, ich habe hier allen Blödsinn gemacht, den junge Männer nun mal in der Sturm- und Drangzeit tun.

Heinemann: Ein Beispiel?

Buschkowsky: Nein, nein, nein, nein, nein, nein. Es ist aber alles verjährt.

Heinemann: Gut.

Buschkowsky: Und diese 36 Jahre, die gehen in Fleisch und Blut über, und ich kann nicht gerade sagen, dass ich im Moment getragen bin von grenzenloser Fröhlichkeit, von dem Gefühl, ich müsste hier durch die Räume tanzen. Nein, nein, da ist schon ein ziemlicher Teil an Wehmut dabei. Da ist schon immer wieder die Frage: 'Hast du dich nicht geirrt? Ist das nicht ein Traum?'

Heinemann: Wenn Sie ein Beispiel herausnehmen sollten, wie hat sich Neukölln in Ihrer Amtszeit verändert, was ist das Herausragende, was Ihnen sofort einfällt?

Buschkowsky: Es gibt da nicht nur ein Beispiel. Es gibt einen Satz, der es beschreibt: Das Neukölln des Jahres 2015 hat mit dem Neukölln des Jahres 1960/1970 nichts zu tun!

Heinemann: Was hat sich geändert?

Wir sind ein Einwanderungsland

Buschkowsky: Es ist eine völlig andere Stadt geworden, mit einem völlig anderen öffentlichen Design. Die Menschen sind andere geworden. Die Bevölkerungsstruktur hat sich völlig verändert. Wir sind heute eine Einwandererstadt. Zwei Drittel der Kinder, die jährlich unsere Schulen verlassen, sind Kindern von Einwanderern. Es ist eine völlig neue Lebenswelt in diese Stadt gekommen - der Islam als neue Religion, mit einem völlig anderen Wertegerüst, als ich es kenne, als ich aufgewachsen bin hier. Und die Menschen haben eine andere Kleidung, als sie in Mitteleuropa üblich ist. Wenn sie hier aus dem Fenster schauen, dann sehen sie plötzlich traditionell gekleidete Frauen und Männer, die sie normalerweise in ihrem Gedankengerüst niemals nach Mitteleuropa versetzen würden. Also das ist alles etwas völlig anderes, als das alte Arbeiterquartier. Neukölln ist ja nie der Ort der Schönen und Reichen gewesen, sondern hier wohnten und wohnen zum Teil noch handfeste Menschen mit klaren Vorstellungen, was man tut und was man nicht tut und was man seinen Kindern beizubringen hat. Also: "Wenn du was haben willst, dann musst du was dafür tun.“ "Wenn du in der Straßenbahn oder im Autobus sitzt und ein älterer Mensch kommt rein, dann stehst du gefälligst auf.“ "Warum denn? Ich will auch sitzen!“ – Weil es sich so gehört!“ Das sind Dinge, die ich heute nur noch schwer wiederfinde.


Heinemann: Das haben Sie beschrieben unter anderem in Ihren beiden Bestsellern - Ihr Thema: die Integration. Was kann man in Neukölln lernen über gelungene oder gescheiterte Integration?

Buschkowsky: Man muss ja damit beginnen, sich zu bekennen: Ja, wir sind ein Einwanderungsland! Das wird ja von vielen Politikern der ersten Liga heute immer noch bestritten.

Heinemann: Es sind nur noch wenige.

Buschkowsky: Ja, aber Unverbesserliche gibt es immer. Und wir sind sogar gezwungen, ein Einwanderungsland zu bleiben.

Heinemann: Sie sagen doch: "So wie bisher, geht Einwanderung nicht weiter!“

Buschkowsky: Ja, natürlich sage ich das. Ich sage ja erst mal nur: Wir sind ein Einwanderungsland; wir müssen eins bleiben, weil unsere Geburtenfaulheit dafür gesorgt hat, dass unsere Gesellschaft sich nicht mehr aus sich selbstständig regenerieren kann. So, und dann ist eben halt die Frage, dass die, die neu ins Land kommen, dass die in das Land kommen und Teil des Landes und der Lebensregeln werden wollen und nicht ihr eigenes Ding machen.

Heinemann: Sie beschreiben auf hunderten Seiten, dass genau das nicht klappt - warum nicht?

Buschkowsky: Da ist der Punkt, das nenne ich Integration. Nicht irgendwo ankommen, irgendwo Teil zu werden und zu sagen: 'Ja, ich bin in euer Land gekommen, um mit euch zusammen zu leben', sondern dass wir Erscheinungsformen haben: 'Wir sind in dieses Land gekommen, aber wir machen weiter wie zu Hause', obwohl die Leute zu Hause nicht vor lauter Wohlstand weggelaufen sind, sondern weil das Leben für sie unwirtlich war. Und da sage ich: Das geht nicht!

Probleme durch andere Werteordnung

Heinemann: Was ist da schief gegangen?

Buschkowsky: Der Bösewicht heißt "Ignoranz" - einfach zu sagen: 'Tja, das ruckelt sich schon von alleine und wir gucken mal. Je länger die Leute hier sind, desto besser integrieren die sich selbst.' Da hat übrigens der erste Ausländerbeauftragte, Heinz Kühn, 1979 schon gesagt: 'Das ist ein Irrweg. Ihr müsst gucken, dass ihr die Kinder aus den bildungsfernen Familien, dass ihr die ausbildet, dass ihr ihnen in der Schule etwas beibringt, was man in einer modernen Leistungsgesellschaft haben muss: nämlich Kompetenzen - Wissenskompetenzen und soziale Kompetenzen'. Aber es hat keiner hingehört. Dann gab es eine Süssmuth-Kommission 2000/2001, die hat gesagt: 'Wir müssen weg von der Zufallseinwanderung, wir brauchen eine Konzeption!' 'Nein', haben wieder andere gesagt, 'wir sind kein Einwanderungsland, dann brauchen wir auch keine Konzeption.' Und so sind ganze Generationen entstanden von jungen Leuten, die für sich in dieser Gesellschaft, für sich überhaupt keine Perspektive sehen, die die Grundrechenarten nicht beherrschen, die keinen Satz in deutscher Sprache mit vernünftigem Anfang und Ende bilden können. So, und die transferieren wir bis heute nahtlos aus der Schule ins Jobcenter. Jetzt sagen viele: 'Na, hören Sie doch auf, alles schwarzzumalen. In meinem Bekanntenkreis gibt es viele, viele, viele gelungene Integrationskarrieren.' Na klar, gibt es die, aber wenn sie die Verkehrssicherheit einer Kreuzung untersuchen sollen, zählen Sie da die Autos, die unfallfrei rübergefahren sind oder werten Sie das Unfallgeschehen aus? Ich sage Ihnen, dass wir durchaus ein Riesenproblem haben, was im Wesentlich auch gespeist wird durch eine andere Werteordnung.

Heinemann: Aber wie heißt genau das Problem? Wenn Eltern ihre Kinder vernachlässigen, dann ist es doch gleichgültig, ob sie die Scharia oder das Privatfernsehprogramm vergöttern. Das heißt, ist das Problem nicht ein soziales? Haben wir nicht ein Unterschichtenproblem - egal, was für ein kultureller Hintergrund dahinter steht?

Buschkowsky: Also, ich weiß nicht, was die Vier-Frauen-Ehe mit einem Sozialproblem zu tun hat. Ich weiß nicht, was eine unterschiedliche Wertstellung weiblichen und männlichen Lebewesen mit einer sozialen Problemstellung zu tun hat. Wir haben hier Fahrschulen nur mit weiblichen Fahrlehrerinnen, weil eine Frau nicht mit einem Mann alleine in einem Auto sitzen darf. Was hat das bitte alles mit sozialem Status zu tun? Wir haben es hier schon mit einer anderen Werteordnung zu tun. Wir haben es auch mit einer Religion zu tun, die Menschen auffordert, sich in einem bestimmten Verhalten zu üben, und dieses Verhalten steht zur westlichen Welt in einem Spannungsverhältnis. Und wer eben sagt: 'Mit dieser Gesellschaft will ich gar nichts zu tun haben, die ist mir zu sündig, die ist mir zu verdorben', aber gleichzeitig der Auffassung ist, dass diese Gesellschaft meinen Lebensstandard sicherzustellen hat und zwar in der Art, wie ich mir das vorstelle, da sage ich immer: Dieser Mensch sollte einfach mal überlegen, ob er wirklich an der richtigen Stelle aus dem Zug gestiegen ist.

Heinemann: Sie kritisieren, dass in Neukölln arabisch-stämmige junge Männer etwa die Hälfte aller Straftaten begehen - das haben Sie geschrieben in Ihrem Buch - und gleichzeitig kritisieren Sie die Justiz, der Staat, die Justiz sei zu nachgiebig. Ist das Hilflosigkeit oder falsch verstandene Toleranz?

Integration heißt nicht, Aufgabe der Lebensregeln

Buschkowsky: Dem zugrunde liegt ein falscher Begriff von Integration. Weil ich glaube, Integration heißt nicht, Aufgabe der Lebensregeln der Gesellschaft auf dem Altar der Beliebigkeit.

Heinemann: Wo tut er das?

Buschkowsky: Zum Bespiel in den Fällen zu sagen: Wenn Sie drei, vier Ehefrauen haben wollen, das gehört zur kulturellen Identität. Zur kulturellen Identität gehört auch, dass der Patriarch in der Familie als Herrscher über Leben und Tod Gewalt anwendet. Rabatte in Strafprozessen - Duzende von Beispielen. Das berühmte "Frankfurter Urteil“, dass die Scheidungsklage einer Frau ablehnt, weil ihr Mann sie immer verdrischt, mit der Begründung: Dort, wo der Mann her kommt, ist das allgemeine Übung. Die Frau ist das Eigentum des Mannes. Er hat kein Unrechtsbewusstsein. Scheidungsbegehren abgelehnt. Ich glaube nicht, dass so ein Urteil heute nochmal möglich ist, weil es führte ja damals zu einem Aufschrei. Aber es gibt viele, viele Stellen, wo wir sagen: 'Ach, mein Gott, nun lass sie doch, ist doch nicht so schlimm.' Das halte ich eben für falsch. Ich glaube schon, dass insbesondere die Wertstellung einzelner Menschen, die Ächtung der Gewalt, die Gleichheit der Geschlechter, dass das unverhandelbar ist. Und deswegen glaube ich, dass hier die Gesellschaft etwas unmissverständlicher sein dürfte, sein müsste, um klar zu machen: Du bis hier herzlich willkommen, wir möchten auch, dass du ein Teil von uns bist und deswegen hätten wir gerne, dass du dich unserer Art und Weise, wie wir leben, anschließt.

Heinemann: Gilt Ihre Kritik auch für das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, das ja entschieden hat oder eine Entscheidung veröffentlicht hat in diesem Monat, dass ein Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen an Schulen nicht pauschal gelten darf?

Buschkowsky: Also bei diesem Thema muss ich aufpassen, dass mir die Formulierungen nicht entgleisen. Ich beginne mal mit dem Guten. In einem hat das Urteil recht: Ich kann nicht Kruzifixe an die Wand hängen und gleichzeitig das Kopftuch verbieten - das geht nicht. Es muss uns auch schon jede Religion gleichviel wert sein. Das ist das Eine. Dann hört aber mein Verständnis auf. Die, die dieses Urteil gefällt haben, haben keine Ahnung – null -, wie es in Gebieten, in Stadtlagen wie Neukölln zugeht oder in Mannheim oder in Kiel-Gaarden oder in Hamburg-Veddel oder in Duisburg oder in Dortmund oder wo immer Sie auch wollen, weil es ist die falsche Botschaft. Es ist die völlig falsche Botschaft, weil es wird hier weiter geprägt die alt überlieferte Form: Die Frau hat zu gehorchen, sie hat rein und devot zu sein und sie ist das Eigentum ihres Mannes. Und die Botschaft ist: Oma trägt Kopftuch, die Tanten tragen Kopftuch, Mutter trägt Kopftuch und die Lehrerin trägt es auch. Der soziale Druck im Wohngebiet auf die säkularen, auf die liberalen Muslime nimmt immens zu. Und die haben nur eine Entscheidungsalternative, wegziehen oder mit den Wölfen zu heulen. Und was das Gericht da gemacht hat, es hat eine Säule unserer Gesellschaft ohne Not geschleift: Staatliches Handeln hat wertneutral zu sein! Dieser Grundsatz ist aufgegeben worden. Das Gericht hat gesagt: Die Wertneutralität staatlichen Handelns übt keine normative Funktion aus, sondern ist eher eine offene Haltung. Können Sie mir das mal erklären? Ich verstehe es nicht. Ich kleiner, dummer Neuköllner verstehe es nicht, was Wertneutralität für eine offene Haltung ist. Ich empfehle jedem, wenn er ein bisschen seine Kontenance wahren will und wieder Kraft schöpfen will, das Minderheitenvotum der Richter zu lesen. Also ich habe noch nie in so barschen und deutlichen Worten gelesen, wie einige Verfassungsrichter ihre Mehrheitskollegen abwatschen. Dieses Urteil ist ein weiteres Einknicken vor, ich sage mal, denen, die wie Lautsprecher durch das Land gehen und immer einfordern, dass sie benachteiligt sind, dass sie Opfer sind. Ich sage Ihnen aber mal eines: Für mich ist ein Einwanderer und seine Kinder, das sind keine Patienten, das sind Staatsbürger, wie alle anderen auch, und sie haben sich auch, wie alle anderen auch, zu benehmen. Unsere Lebensregeln gelten für alle.

"Nur ein toter Buschkowsky ist ein guter Buschkowsky!"


Heinemann: Sie sind in der Integrationsfrage ja ähnlich mit Ihrer eigenen Partei überkreuz. Sie haben sich gerade in der Wochenzeitung "Die Zeit" mit Generalsekretärin Fahimi gestritten, der sie "Einwandererkitsch" vorwerfen. Was heißt das?

Buschkowsky: Wenn Sie das ganze Interview gelesen haben, fanden Sie, dass Frau Fahimi mir sehr viel Substanz entgegenzuhalten hatte? Ich fand das nicht. Ich fand, dass sie eigentlich zu allentscheidenden Fragen mir ausgewichen ist oder mit dem charmanten Halbsatz geantwortet hat: "Da hast du Recht, Heinz."

Heinemann: Ist das typisch für die SPD?

Buschkowsky: Ich glaube, ja. Die weiß nämlich gar nicht, wo sie hin will.

Heinemann: Warum nicht?

Buschkowsky: Weil es innerhalb der SPD halt auch ein Sammelsurium an Grundüberzeugungen gibt. Es gibt weite Teile der SPD, die nenne man Basis. Wenn ich dort auftrete und spreche, verlasse ich immer von Wohlgefühl getragen den Saal. Es gibt andere Bereich der SPD, das ist meist so die verfasste Funktionärsschaft, da gibt es schon so ein klammheimliches Denken: 'Ach, der schon wieder - nur ein toter Buschkowsky ist ein guter Buschkowsky!'

Heinemann: Geht das so weit?

Buschkowsky: Also, ich meine, die Bandbreite bei Buschkowsky ist wirklich: Zum einen wurde ich verglichen mit dem norwegischen Massenmörder Breivik und zum anderen hat man mir den Gustav-Heinemann-(Bürger)Preis angeklebt. Die SPD weiß eigentlich nicht ganz genau: Was machen wir mit dem nun eigentlich? Das geht aber meinem Vorsitzenden Sigmar Gabriel genauso. Der ist nach Dresden gefahren und hat mit PEGIDA diskutiert. Ich fand das klasse, aber was ist über ihm ausgekübelt worden; Boah ey, hat der abgekriegt. Aber der Mann hat doch recht. Die Menschen demonstrieren dort, weil sie Angst haben, und die Aufgabe der Politik ist es, den Menschen die Angst zu nehmen und nicht darüber nachzudenken, wie ich sie ganz schnell mundtot mache, indem ich sie als Schande bezeichne oder Ähnliches.

Heinemann: Sie haben in dem Zusammenhang in Ihrem Buch gesprochen von dem "Gehässigkeitsfaktor" und von dem "Schweigegebot" in Deutschland. Wie haben Sie das erlebt?

Das traut sich hier keiner zu sagen

Buschkowsky: Na ja, immer wenn sie irgendwas sagen, wo sie hinterher schieben können: 'Wissen Sie, das können Sie alles selbst feststellen. Gehen Sie einfach mit offenen Augen und offenen Ohren durch die Welt, dann werden Sie das sehen'. Also gerade das, was Sie vorhin angesprochen haben: 'Arabische junge Männer haben bei mir hier einen Anteil von neun Prozent an der Bevölkerung, sie stehen aber für 50 Prozent aller Straftaten'. So, das ist schon wieder rassistisch. Weil ich habe gesagt "arabische junge Männer". Ich hätte eigentlich korrekt sagen müssen: Es gibt bei uns junge Männer, die reziprok oder sonst wie zu ihrem Bevölkerungsanteil Straftaten begehen. Sie hätten zwar nicht gewusst, worüber ich rede, aber es wäre politisch korrekt gewesen. Ich mache Ihnen ein weiteres Beispiel. Schüler in den Schulen, die andere verdreschen, ihnen auf den Kopf treten, die die Lehrer bespucken, also früher waren das Rowdys oder Krawalltypen, heute nennen wir sie "verhaltensoriginelle Schüler". Da weiß auch keiner mehr, was ist. Jemand, der im Sozialtransfer steht, der ist im Jobcenter plötzlich ein Kunde und der hat nicht massive Vermittlungshemmnisse, sondern der hat eine komplexe Profillage. Also unsere Sprache wird so verballhornt, dass sie eigentlich die wahren Dinge verdeckt. Also darüber sollte mal einer promovieren. Also teilweise hat das richtig komödiantische Züge. Wenn sie jetzt sagen - und bei mir ist das so - im statistischen Durchschnitt sind muslimische Eltern weiter von einem normalem Verhältnis zum Bildungserwerb ihrer Kinder entfernt als zum Beispiel polnische Eltern oder asiatische, also Sie, da kriegen sie richtig ausgekübelt. Und wenn sie zum Beispiel sagen: Ich erwarte von jedem Einwanderer als Bringschuld, dass er die Bereitschaft zur Integration mitbringt, dann sind sie ein deutschtümelnder alter Mann. Wenn sie sagen: Also es gibt bestimmte Teile des Islam, die sind eigentlich mit einer modernen Welt nicht kompatibel, das ist ein klarer Beweis dafür, dass sie islamophob sind. So gibt es Dinge, wo sie beigebracht kriegen: 'Du redest über Sachen, wie man nicht reden sollte, mein Lieber. Und wenn du das nicht sein lässt, dann müssen wir dich ein bisschen ächten. Hast du verstanden!' Und so wurden es immer weniger, die gewagt haben, den Kopf aus der Masse herauszuheben, weil keiner hat Lust zum Gegenstand von "Management by Champignon" zu werden: Wer den Kopf rausstreckt, kriegt ihn abgehauen! Und denken Sie mal nach, wie viele Namen fallen Ihnen noch ein von Menschen, die über gesellschaftliche Fehlentwicklungen reden, so dass man es versteht, so, wie sie es sehen? Weil ich sage immer wieder: Wissen Sie - wenn mir vorgehalten wird, das hat was mit Hybris zu tun: Neukölln ist überall -, ich sage: Wissen Sie, das ist die Botschaft an die Leute, die im Sessel sitzen und sagen: 'Gell Mama, gut, dass wir da nicht leben.' Und ich sage: 'Hey, nimm mal den Hinter hoch, geh mal in das Nachbarwohnviertel in deiner eigenen Stadt, da wirst du eventuell das gleiche Milieu treffen, wie ich es beschreibe.' Weil es ist auch so, quer durch die Bundesrepublik, von Norden bis Süden. Ich habe Hunderte von Vorträgen in Deutschland gehalten und was meinen Sie, wie oft ich den Satz gehört habe: 'Alles, was Sie erzählen, das ist ja, als ob Sie hier bei uns leben würden.' Und ich bin einmal von einer Staatskanzlei eingeladen worden zu einem Vortrag und dann habe ich vor dem Mittagessen gefragt: 'Sagen Sie mal, ich werde doch mit Sicherheit nichts erzählen, was Sie nicht wissen. Können Sie mir mal beantworten, warum Sie mich aus Berlin, mehrere hundert Kilometer einfliegen, damit ich das hier vortrage?' Da war die Antwort: 'Das ist ganz einfach, weil sich das hier keiner zu sagen traut, was Sie sagen.'

 

Ich habe vergessen, dass ich ein Auslaufmodell bin

Heinemann: Herr Buschkowsky, Sie haben noch viel zu sagen - gleichzeitig ist nächste Woche Schluss. Werden Sie weiter schreiben?

Buschkowsky: Hatte mich gerade so in Betriebstemperatur geredet und vergessen, dass ich ein Auslaufmodell bin. Ich weiß nicht, ob ich noch weiter schreiben werde. Dafür spricht, dass ich eine gewisse Übung habe. Dagegen spricht, dass eigentlich in beiden Büchern alle meine Gedanken aufgeschrieben sind, die ich zu diesem Thema habe. Mein Problem ist, dass die Gesellschaft sie bisher nicht so aufgenommen hat, wie ich mir das wünschen würde - siehe Bundesverfassungsgericht.

Heinemann: Sie werden weiter Interviews geben?

Buschkowsky: Ja, wenn ich so nette Interviewpartner habe, wie heute, ist das kein Problem.

Heinemann: Also auch im Deutschlandfunk?

Buschkowsky: Na, im Deutschlandfunk ganz besonders, weil ich hier immer eine sehr offene Art gefunden habe, mit Problem umzugehen und wo es nie darum ging: 'Erklären Sie mal, was in der Integration in Deutschland in den 50 Jahren schief gegangen ist. Erklären Sie, wie man das hätte besser machen können und Ihre Vorschläge für die Zukunft, aber bitte in 90 Sekunden.' Deswegen habe ich immer sehr, sehr gerne dem Sender zur Verfügung gestanden.

Heinemann: Herr Buschkowsky, danke schön für das Gespräch.

Buschkowsky: Keine Ursache. Ich überlege mir es jetzt nochmal, ob ich nächste Woche wirklich aufhöre.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Rechtsruck in Europa? "Es wäre töricht, das auszuschließen"

Mahnendes DLF-Interview am 8.12.15 gegen 12.45 Uhr, Historiker Philipp Blom im Gespräch mit Petern Kapern:

Der Vormarsch rechtsnationaler Parteien in Europa wie des Front National in Frankreich könne sich durchaus fortsetzen, sagte der Historiker und Autor Philipp Blom im DLF. Autoritäres Denken habe eine viel längere Tradition als Menschenrechte und Demokratie. Diese könnten genau so schnell wieder weg sein, wie sie gekommen seien.


Viele Menschen verlören den Glauben an die Demokratie, sagte der Historiker und Autor Philipp Blom im DLF. Das sei wie in den 30er-Jahren. Demokratie gehe langsam, verlange nach Kompromissen. Es würden auch keine einfachen und schnellen Antworten geboten. Das sei aber das, was viele Menschen wollten.
In der Welt mache sich eine neue Trennung breit, sagte Blom. Es gehe nicht mehr um rechts oder links, sondern es gebe "einen liberalen Traum und einen autoritären Traum". Diese Sehnsucht nach einfachen Antworten, das verbinde auch den IS mit Pegida. Es wäre töricht auszuschließen, dass sich dieser autoritäre Traum durchsetze. In den 20er- und 30er-Jahren habe auch niemand geglaubt, dass man Hitler ernst nehmen müsse.
"Wir merken, dass uns riesige Veränderungen bevorstehen, in der Bevölkerung und der Gesellschaft", sagte Blom. Unsere Gesellschaft schrumpft und überaltert. Wir brauchten auch deshalb die Zuwanderung. Das könne zum Austausch oder zur Konfrontation führen. Es könne aber auch eine Chance sein, "einen denkfaulen Kontinent wiederzubeleben".


Das Interview in voller Länge:

Peter Kapern: Es kommt ja selten vor, dass die konservative Tageszeitung "Le Figaro" und die kommunistische Zeitung "L'Humanité" mit der identischen Schlagzeile auf der Titelseite erscheinen. Am Montagmorgen war das so. Da hieß es auf beiden Titelseiten: "Le Choc". Geschockt waren die Zeitungsmacher vom Wahlsieg des Front National. Geschockt sein müsste aber ganz Europa, und das schon seit geraumer Zeit, geschockt vom Vormarsch rechter nationalistischer Parteien in Europa. Ein ganzer Kontinent auf dem Rückweg in seine Vergangenheit? - Am Telefon bei uns der Historiker und Publizist Philipp Blom. Guten Morgen.

Philipp Blom: Guten Morgen, Herr Kapern.

Kapern: Herr Blom, Ungarn, Slowakei, Polen, Dänemark, Finnland, Niederlande, Belgien, Frankreich, Schweiz, Österreich - das ist eine lange Liste von Ländern, die alle sehr unterschiedlich sind, die aber doch auch eines eint: In all diesen Ländern greifen rechte, teils rechtsextreme, jedenfalls extrem nationalistische Parteien nach der Macht, oder haben sie sogar schon erlangt. Frisst sich da der Bazillus des Rechtsnationalen und des Rechtsextremen gerade durch Europa?

Blom: Das ist auf jeden Fall sehr möglich und ich glaube, wir erleben gerade, dass angesichts der Herausforderungen an unsere Gesellschaften Menschen den Glauben an die Demokratie verlieren und sich denken, das müsste doch eigentlich auch anders gehen, und das tatsächlich haben sich Menschen in den 1930er-Jahren auch gedacht.

"Historische Parallelen können fürchterlich in die Irre führen"


Kapern: Welche Parallelen sehen Sie da noch? Auch in den Ursachen?
Blom: Ich meine, historische Parallelen sind immer schwierig. Sie sind immer sehr verlockend, aber sie können einen auch fürchterlich in die Irre führen. Aber die Tatsache ist, dass Demokratie etwas ist, was langsam geht und was immer Kompromisse liefert, und viele Menschen fühlen, dass ihnen hier nicht die Antworten geboten werden, die einfachen, schnellen Antworten, die man gerne hätte, und dass man die doch lieber woanders herbekommt, dass den Ländern die Kontrolle zu entgleiten scheint und man deswegen zurückkehren will zur nationalen Souveränität, was, glaube ich, eine völlige Illusion ist, weil alle Herausforderungen, die an uns gestellt sind, gerade transnational und global sind, das heißt mit Nationalstaaten eigentlich nichts zu tun haben. Aber es scheint, eine einfache Antwort zu sein, und ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man sich daran erinnert, dass diese Errungenschaften, für die in Europa viel gekämpft worden ist, um die viel gekämpft worden ist, Demokratie, Menschenrechte und so weiter, die können auch wieder verschwinden. Wir leben damit, dass wir denken, die sind stabil, die haben wir sozusagen für alle Zeiten uns errungen, aber vom historischen Standpunkt muss man sagen, die sind sehr rezent. Wir haben sie überhaupt noch nicht lange: Menschenrechte zwei, 300 Jahre, Demokratie eigentlich erst 80 Jahre oder so etwas. Und die können genauso schnell wieder weg sein, wie sie gekommen sind.

Kapern: Und das andere, das hat eine längere Tradition, wie auch immer man das dann bezeichnet und fassen will?

Blom: Natürlich! Autoritäres Denken hat eine viel längere Tradition. Das hat Jahrtausende hinter sich. Und das ist sozusagen ein konditionierter Reflex, der bei uns besteht. Ich glaube, wir erleben im Moment, wie sich die Welt in zwei neue Lager teilt, und das ist ganz wichtig. Die alte Unterscheidung zwischen rechts und links ist eigentlich völlig bedeutungslos geworden. Aber wir erleben jetzt, dass es einen Teil der Welt gibt, der einen liberalen Traum träumt, und einen anderen Teil, der einen autoritären Traum träumt, und das verbindet die IS mit Pegida und Boko Haram mit evangelikalen Predigern in den USA und eben mit Herrn Orbán und mit den Verfassungsänderungen in Polen und Ähnlichem. Es ist überall die einfachen Antworten, die nationale Souveränität, die Tatsache, dass wir wertvoller sind als irgendjemand anders, eine Rückkehr zu einer gefühlten Sicherheit, die aber keine Sicherheit ist oder sein wird.

Kapern: Und ein Obsiegen dieses autoritären Traums schließen Sie nicht aus?

"Trumps Forderungen entsetzt die Menschen nicht"


Blom: Ich wäre töricht, das auszuschließen. Es ist nicht wahrscheinlich und wir stehen am Anfang von etwas, aber ich meine, in den 1920er- und 30er-Jahren hat niemand geglaubt, dass man Hitler ernst nehmen müsste, diesen komischen kleinen Korporal mit seinem absurden Schnurbart. Donald Trump wird wohl nicht amerikanischer Präsident werden, aber wenn sie sich ansehen, was er sagt, und wenn sie sich ansehen, wie viele Menschen das augenscheinlich unterstützen, dann sehen Sie, was für ein Potenzial da für solche Sachen ist. Und wenn jemand kommt und sagt, wir müssen alle Moslems daran hindern, in unser Land zu kommen, und die, die bereits da sind, müssen wir registrieren und internieren - es fehlt nur noch, dass er sagt, wir müssen sie an der Kleidung kenntlich machen -, dann natürlich hat das fürchterliche historische Resonanzen. Aber das entsetzt Menschen nicht, sondern Millionen von Menschen stimmen dem sehr zu.

Kapern: Was genau ist es, was diese Zustimmung der Menschen derzeit auslöst? Sie haben gesagt, sie verlangen schnelle Antworten auf Fragen, statt die langsamen Antworten der Demokratie abzuwarten. Aber auf welche Fragen denn eigentlich?

Blom: Wissen Sie, es ist auch ein gewisser kultureller Essenzialismus, die Idee, Kultur hat so ein bisschen als Kampfbegriff Rasse abgelöst in unseren Gesprächen. Vor 80 Jahren sprach man über Menschen von einer anderen Rasse, die in unsere Kultur nicht integrierbar sind, die einfach zu anders sind. Heute kann man das nicht machen; deswegen spricht man heute von Kultur und sagt zum Beispiel, Moslems haben eine andere Kultur und sind deswegen nicht integrierbar. Dahinter steht die Idee, dass die Kultur eine unbewegbare Säule ist, von der man sich nicht wegbewegen kann. Das ist natürlich Unsinn, wie wir wissen, aber das ist sozusagen der Kampfbegriff, den wir heute haben. Und die Idee, dass jeder als seine eigene Kultur weiterleben könnte, dass er nicht verunreinigt wird durch irgendetwas - ich weiß nicht, ob Sie meine Anführungszeichen mithören -, das scheint, immer mehr an Popularität zu gewinnen, und das scheint, auch Politik mit zu bestimmen, und man darf in der langen Liste von Ländern, die Sie eingangs erwähnt haben, nicht vergessen, dass natürlich mit der sogenannten Alternative für Deutschland und Pegida in ihren verschiedenen Ausprägungen auch in Deutschland solche Gedanken nicht nur erwähnt werden, sondern auch Tausende von Menschen auf die Straßen treiben.

"Es gibt kein Menschenrecht auf ein ungestörtes Leben in Wohlstand"


Kapern: Da gibt es die Idee, man könne eine kulturelle Reinheit bewahren, die ja als Idealtyp ohnehin nicht existiert auf einem europäischen Kontinent, wo sich die einen nicht nur versuchen, von Muslimen abzugrenzen, sondern dann auch gleich noch von Roma oder von Menschen aus, ich weiß es nicht, Osteuropa. Das heißt, diese Abgrenzungsstrategie würde ja zwischen den Europäern und den Muslimen gar nicht zu einem Endpunkt kommen.

Blom: Sie würde nicht zu einem Endpunkt kommen. Aber ich glaube, wir merken im Moment in Europa, dass uns riesige Veränderungen bevorstehen. Das sind nicht nur Veränderungen in der Energiepolitik, die viel größer sind, als wir sie machen werden. Ich glaube, daran werden wir scheitern und das wird uns noch beißen. Aber das sind auch Veränderungen in unserer Bevölkerung und damit in unserer Gesellschaft. Die Europäer haben seit 100 Jahren zu wenige Kinder gekriegt, und das ist ganz einfach eine Realität, und das heißt, dass unsere Bevölkerung schrumpfen und überaltern wird, dass wir also neue Arbeitskräfte, neue Menschen in unseren Gesellschaften brauchen. Und wenn diese Menschen von woanders herkommen, dann sind die anders und bringen andere Denkmuster mit, und das wird natürlich zu Austausch, aber auch zu Konfrontation führen. Aber ich glaube, es ist gar nicht abwendbar, dass das passiert. Ich glaube allerdings auch, man könnte es auch als eine riesige Chance sehen, einen alternden und etwas denkfaul gewordenen Kontinent wieder zu dynamisieren. Aber das sehen nicht alle Menschen als Chance. Viele Menschen denken sich, aber das, was wir hatten, uns geht es doch gut, wir haben Wohlstand, wir haben ein ungestörtes Leben, und das wollen wir behalten. Dem gegenüber kann man nur sagen, es gibt ein Menschenrecht darauf, auf körperliche Unversehrtheit. Deswegen kommen Flüchtlinge zu uns, deswegen haben wir denen gegenüber eine ethische Verpflichtung. Es gibt aber kein Menschenrecht auf ein ungestörtes Leben in Wohlstand, und das würden sich viele Europäer sehr gerne halten.

Kapern: Der Historiker und Publizist Philipp Blom heute Morgen im Deutschlandfunk. Herr Blom, vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und sage auf Wiederhören.

Blom: Danke Ihnen.